Caminho Portugues 2014

Auf dem Weg

Es ist wieder soweit.14.Mai 2014
Ich gehe wieder pilgern;diesmal mit meiner ältesten Schwester Ingrid.Wir sind schon im Winter gemeinsam im Harz gewandert und darum denke ich,wir kriegen das schon hin.
Unsere Pilgerroute führt uns an die Atlantikküste von Porto(Portugal) bis Vila de Conde und dann den zentralen Weg ab Rates nach Santiago de Compostela(Spanien)
Unsere Rucksäcke sind gepackt und wiegen jeweils 7,9 Kg.

Meine Schwiegertochter Barbara bringt uns zum Flughafen nach Bremen.Mein Rucksack wird aufgegeben, weil wir Messer und Wanderstöcke dabei haben.
Unser Pfefferspray wird uns bei der Kontrolle abgenommen, weil ich zu dämlich war, auch diese kleine Dose in den aufgegebenen Rucksack zu packen. Naja, uns wird schon keiner belästigen, man ist ja nie allein auf dem Caminho.
Der Flug mit Ryanair nach Porto dauert ca. .3 Stunden.
Nachdem auch mein Rucksack aus dem Flieger ist , hängen wir unsere Pilgermuschel gut sichtbar an und fahren wir mit der Metro in die Innenstadt.Uns gegenüber sitzen 2 deutsche junge Männer die auch einen Rucksack und eine Pilgermuschel haben . Wir kommen ins Gespräch, Auch sie wollen an der Küste laufen.
Unser Hotel ist sehr liebevoll eingerichtet und wir können uns mit unserem Englisch gut verständigen.
Wir haben Hunger und wir essen an der Promenade des Duore eine Kleinigkeit.Das Restaurant hat eine Terrasse wie ein Balkon direkt über dem Wasser.Über uns ist die Brücke St. Luis1. Langsam wird es dunkel und wir sehen einen beleuchteten Ausschnitt dieses romantisch anmutenden Viertels.

Wir schlafen gut und nach einem reichhaltigem Frühstück im Hotel gehen wir als echte Jakobspilger zur Kathedrale um unsere Credencial de Peregrino und den 1. Stempel zu holen.In diesem Heftchen werden Stempel gesammelt, die wir auf unserem Weg bekommen ,um am Ziel beweisen zu können, dass wir Pilger sind.
Wir besichtigen die Kathedrale .Ich habe eine Überraschung für Ingrid: Vor dem Hauptaltar sage ich ein paar Zeilen, die mit uns auf den Weg gehen.

Aufbruch
Aufbrechen
trotz aller Bedenken
Trotz aller Schwierigkeiten
Trotz aller Barrieren
trotz aller Drohungen
trotz aller Gefahren
Trotz Allem unseren Weg gehen,
miteinander planen
füreinander da sein
glauben, dass Neues möglich wird.

Mit dem Bus fahren wir ca. 11 km aus der Stadt heraus in den Vorort Mathocinho. Ab da gilt für uns nur ein Wegweiser: der gelbe Pfeil, der uns den Pilgerweg durch Portugal zeigt.
Es ist heute sehr heiß (30 Grad) und der Atlantik bringt auch kaum eine kühle Brise herüber.Der Weg führt uns direkt am Strand entlang. Man geht über einen gut ausgelegten Wanderweg aus Holzplanken.Manchmal jedoch ,wenn ein Stück fehlt, laufen wir direkt mit unseren Wanderschuhen und dem immer schwerer werdenden Rucksack durch lockeren Sand. Das ist nicht nur in der Hitze beschwerlich; aber wir sind ja guten Mutes.
Unterwegs überholen uns die jungen Männer aus der Metro.
Wir nennen sie schon „Unsere Jungs“, da wir ihren Namen nicht kennen.
Es ist sehr heiß und wir machen oft Pause um etwas zu trinken.
Ingrid hat von den Trägern ihres Rucksacks wunde Schultern und so kaufen wir Schwämme, die sie unter die Riemen legt um den Druck zu mindern.
Gegen Abend kommen wir erschöpft in Lawra auf dem Campingplatz an, wo uns Reiner , ein Hospitalero empfängt . Er spricht perfekt portugiesisch , hilft uns bei der Anmeldung und zeigt uns unseren kleinen Bungalow,wo wir mit 2 Frauen wohnen werden.Wir bekommen noch unseren Tagesstempel in unseren Pilgerausweis.
Unsere Jungs sind auch schon da und wohnen im Nachbarbungalow mit einem befreundeten Paar, die wir später noch näher kennen und schätzen lernen.
Wir packen unsren Rucksack aus und legen unseren Schlafsack aufs Bett.
Ingrids Schultern sehen ganz schön mitgenommen aus.Wir cremen sie mit Voltaren ein.
Auch nimmt sie eine Schmerztablette.Eigentlich wollte ich ihr irgendwann , wenn wir die spanische Grenze erreicht haben ein paar Zeilen aufsagen; aber es schien mit richtig, ihr heute schon diese Zeilen vorzulesen; damit sie der Mut nicht verlässt

Wir wollten immer schon…..
Aber wir sind jung und haben viel ja noch soo viel Zeit….
Unsere Listen der Ausreden sind lang und so geht Tag für Tag ganz still ins Land.
Eines Tages werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.
Nun. Wir sind angefangen!
Fahrradtouren auf Usedom und an der Müritz.
Winterwandern im Harz
und jetzt gehen wir den Jakobsweg, unseren Weg,bis ans Ende der Welt.
Lass uns weiter etwas riskieren, denn das Leben,das wir führen wollen, können wir selber wählen.
Also lass uns Geschichten schreiben,die wir später gerne erzählen und die für immer unsere sind.
(einige Zeilenfragmente sind einem Lied entliehen)

Dann machen wir uns mit unseren Mitbewohnerinnen bekannt.
Geogette ist Ungarin und kommt aus der Schweiz.Karin kommt aus Hagen.
Beide sind erfahrene Peregrinas.
Ingrid wäscht schnell etwas Wäsche aus und hängt es auf. Heute trocknet alles schnell .Ich gehe noch in den nahen Supermercado und kaufe etwas Obst fürs Frühstück ein.
Wir 4 Frauen gehen ins Restaurant, wo wir ein leckeres Pilgermenü essen.Wir verstehen uns gut und als wir den Abend beim Wein auf unsere Terrasse ausklingen lassen, haben wir eine lustige und gelöste Stimmung.

Früh wachen wir auf und packen unseren Schlafsack ein.Es gibt Kaffee , den ich mit meinem Reisetauchsieder koche.
Katzenwäsche, Rucksack überprüft,aufgesetzt(mit Schwämmchen) und los geht’s. Auch im Bungalow vor uns ist Aufbruchstimmung.
Unsere heutige Strecke führt uns zuerst direkt am Sandstrand über Felsenbrocken und dann ziemlich steil einen Wildhang hoch, wo wir wieder auf unseren Holzweg treffen. Von hier aus haben wir eine tolle Aussicht über den atlantischen Ozean.Hier ist Naturschutzgebiet und an den Wegen stehen erklärende Schilder über Flora und Fauna in der Umgebung.Unterwegs gibt es kleine Bars, wo wir Kaffee oder Wasser trinken und auch irgendwann ein kleines Frühstück einnehmen.
In Portugal und auch in Spanien gibt es zum Kaffee immer eine Kleinigkeit zum Essen dabei.Manchmal ist es ein Minikuchen, manchmal ein Tortillastück, oder sogar eine kleine Schale Kartoffelsuppe. Verhungern können wir also nicht . Ingrid vermisst das dunkle Brot, dass es in den südlichen Ländern ja kaum gibt.
In der Mittagshitze kommen wir in Vila de Conde an. Ein kleines Städtchen mit einer trutzigen Kirche und einem bunten Wochenmarkt, wo man von Obst über Kuchen bis zum Kleid alles kaufen kann.
Viele Kinder sprechen die Leute auf der Straße an, um Lose zu verkaufen. Ich habe auch Losbuden gesehen, und Männer, die davor standen mit vielen losen in der Hand um zu kontrollieren, ob ein Gewinn dabei ist.
Hier setzen wir uns erschöpft in ein Straßenlokal und trinken Wasser und Kaffee.
Im Touristeninformationsbüro erkundigen wir uns nach einem Bus, der nach Rates fährt.
Es ist zu heiß um noch ca .17 km weiter zu wandern.
Dort treffen wir auch Karin und Georgette wieder, die auch nach Rates wollen.
Im Bus, der uns zu einem Vorort von Rates fährt, haben wir eine nette Begegnung mit einem gebürtigen Portugiesen, der in Stuttgart wohnt. Er erzählt uns etwas über diese Gegend, wo er seine Großmutter besucht.
Wir steigen aus, winken noch in den Bus hinein und wandern auf einer staubigen Straße die letzten 3 km bis zur Albergue in Rates.
Am Ortseingang erwartet uns ein überdimensionaler Jakobus in Pilgermontur(Mantel Hut mit Muschel, Kalebasse und Pilgerstab)Schnell ein paar Fotos gemacht und beherzt die letzten Schritte in unsere erste Pilgerherberge.Hier können wir für eine freiwillige Spende übernachten.
Wir stellen unseren Rucksack ab und sind froh, als wir kein Gewicht mehr auf unseren Schultern spüren.Wir waschen uns kurz das Gesicht und die Hände in einem Gemeinschaftswaschraum, wo wir auch unsere Unterwäsche waschen können.Gleich nebenan gibt es einen kleinen Supermarkt, wo wir Bonbons ,Wasser,etwas Kuchen und Obst für den morgigen Weg kaufen.
Da kommt ein Taxi und heraus steigen Karin und Georgette, die beide auch ziemlich erschöpft vom Wetter sind.
Sie haben die letzten Km dann doch nicht mehr pilgern können.
Antonio unser Hospitalero weist uns einen neuen Raum zu, weil die anderen Räume schon besetzt sind.
Wir 4 Frauen schlafen mit Ricardo(einem jungen Portugiesen)in einem Raum, wo 15 Betten stehen.Schnell ist unser Bett gemacht und wir beschließen, zu viert zum Essen zu gehen.
Ca. 300 Meter den Hügel hoch gibt es ein kleines Restaurant, wo wir ein gutes Pilgermenü bekommen.Es gibt eine Suppe, Salat ,Kartoffeln, Fisch ,Wein, Bier, Kaffee und Pudding für 10 Euro.
Der Hospitalero kommt vorbei und erklärt uns, wir müssten um 21:30 in der Alberge sein. Das kommt uns komisch vor… so früh? Aber wir bezahlen und suchen unser Domizil auf.
Draußen im Garten ist eine große Party .
Es ist eine Queimada angesetzt worden, die nun angezündet wird und köchelt.
Die Queimada  (ähnlich einer Feuerzangenbowle)ist ein Brauch um ein alkoholisches Heißgetränk der galicischen Küche und gehört der galicischen Folklore an. Dem Partyritual werden unter anderem keltische Wurzeln, heilende Kräfte und der Schutz vor bösen Geistern zugeschrieben. Dazu wird mit erhobener Stimme die Confiseur vorgetragen und soll böse Geister und Hexen vertreiben. Solange die Flammen in der dazugehörigen Schale brennen, sprechen wir, indem wir die Kelle in dem Sud rumrühren, ein paar beschwörende Worte in jeweils unserer Landessprache . Schnell kommen wir mit allen ins Gespräch uns so erfahren wir, dass Gerda, eine von 3 Schwestern aus Franken genau wie meine Schwerster Ingrid und ich  am 18. Mai Geburtstag hat.Ohne lange zu überlegen schlage ich vor, unseren Ehrentag gemeinsam am 18. Mai um 19 Uhr in Ponte de Lima am Marktplatz, zu feiern.
Alle Umstehenden sind in guter Queimadalaune und sagen zu.
An diesem Abend lernen wir Hans und Michael aus Leipzig, Gerda, Ihre Schwestern Sigrid und Rosi mit Freundin Martina aus Oberfranken ,Nadja, Ina und Carsten , Albert aus Holland,und noch viele andere aus verschiedenen Ländern mit verschiedener Sprache kennen.Nun wissen wir auch, wie „unsere Jungs“ heißen, nämlich beide Sebastian
Kurz vor Mitternacht sagen wir uns „Gute Nacht“ und gehen in unsere Schlafsäle.Karin hat noch Wein gekauft, den wir im Schlafanzug auf den Betten sitzend trinken.
Ricardo, unser einziger Mann im Schlafzimmer hat sein T-Shirt ausgezogen um in den Waschraum zu gehen und wir Frauen sehen uns wissend an. Ich nenne ihn auf Grund seines Aussehens Adriano Cellentano, worauf Georgette ihn prompt Rudolpho Valentino tauft.
Wir kichern wie kleine Mädchen.
In dieser Nacht können wir alle gut schlafen.

Am nächsten Morgen bereite ich für uns ein kleines Frühstück in der Küche vor.Wir treffen einige verschlafene Gesichter, die auch schon um 6 Uhr aufgestanden sind.
Dann wünschen wir einen Bom Camino und marschieren los.Am Eingang treffen wir Karin und Georgette und wir gehen gemeinsam ein paar schöne Stunden im besten Sommerwetter durch eine wunderschöne Landschaft, die anmutet, wie unsere Lüneburger Heide.Wir trinken in einem kleinen netten Restaurant frisch gepressten Orangensaft und kommen mit der Wirtin ins Gespräch. Sie gibt uns eine Visitenkarte von einem pilgerfreundlichem Hotel in Barcellos, wo sie auch für uns die Zimmer reserviert.
Irgendwann trennen sich unsere Wege und wir verabreden uns um die Abendzeit in Barcellos.Es wird sehr warm und der Aufstieg in die wunderschöne Stadt mit der alten Festung am Ortseingang ist anstrengend.
Im Informationsbüro frage ich nach dem Hotel und nach einer Fahrgelegenheit für den nächsten Tag.
Es stellt sich heraus, dass am Wochenende keine Verkehrsmittel nach Ponte de Lima oder auch in andere Städte fahren.
Nach kurzer Suche finden wir unser Hotel und treffen dort auch auf unsere Pilgerschwestern Karin und Geogette, die schon fleißig gewaschen haben und alles auf dem Balkon aufgehängt haben.Auch wir haben kleine Wäsche und hängen sie zum trocknen aus dem Fenster.
Gut gestärkt mit einem Kaffee aus meinem Fundus erkunden Ingrid und ich die nähere Umgebung.Den Marktplatz, wo heute nur die bunten flatternden Papierbilder in riesigen Rahmen hängen, Der kleine sauber angelegte Park und die Eisdiele.
Zum Abendessen gehen wir zu viert und essen sehr lecker zubereiteten frischen Seehecht.
Auch heute gehen wir früh ins Bett.

Wir stehen früh auf und freuen uns. Heute haben wir Geburtstag.Als wir am Frühstückstich sitzen, singen uns Karin und Georgette ein Ständchen. Das hört die Hausdame und schenkt Ingrid eine Rose aus dem Garten und einen kleinen Schutzengel .
Wir kommen ins Gespräch und sie erklärt uns, dass ihr Mann uns gerne mit dem Auto ein paar Km fährt.
Gemütlicher konnten wir es gar nicht haben.Wir bedanken uns herzlich und verabschieden uns von unseren 2 Pilgerschwestern, die noch einen Abstecher nach Braga machen wollen.
Sven, der Fahrer erzählt uns in einfachen portugiesischen Worten , dass der Vino Verde aus der Region Facha sehr gut schmeckt und wir ihn unbedingt probieren sollen. Es wird eine lustige und entspannte Fahrt ca. 15 Km.
Als wir aus dem Bequemen Mercedes aussteigen kommen uns die beiden Sebastians und Nadja entgegen. Großes Geläster und Gefeixe, weil wir gefahren sind. Keiner nimmt es uns alten Frauen übel.
Durch eine wunderschöne hügelige Waldlandschaft laufen wir und bewundern die riesigen Calla, die hier wild an den Wiesenhängen wachsen.Es ist wieder ein heißer Tag und wir sind froh, dass wir frisches Obst haben dass unseren Durst löscht.
An einem Bildstock mit dem hl. Jakob machen wir wieder Rast. Ingrid findet, das hier ein idealer Platz ist für ihre Sorgensteine ist.
Es ist ein schöner Moment, als sie den Stein von Mutti und ihren eigenen Stein, wo so viele Freunde ihre Sorgen Nöte und Wünsche hineingedacht haben,mit einem guten Gewissen um den richtigen Platz hier ablegt.
In Seara, kurz vor Ponte de Lima kehren wir in einer Bar ein, um Café con Leite,grande zu trinken, unser Leib und Magentrank auf dem Camino.
Dort treffen wir Paolo, einen jungen Mann aus Porto, der mit dem Rad unterwegs ist.
Wir verständigen uns auf englisch und ich erzähle, dass heute unser Geburtstag ist.
Die Gäste dort sind, außer uns, einheimische und Paolo hat nichts anderes zu tun als zu erzählen, dass wir Geburtstagskinder sind. Plötzlich stehen sie vor uns und bringen ein Ständchen, Ein kleiner alter Mann rennt auf Ingrid zu und knutscht sie ab, Alles lacht und applaudiert.
Ingrid ist gerührt über so viel Zuneigung aller Gäste.Sie denken, nur Ingrid hat Geburtstag; aber das tut der Freude keinen Abbruch und ich korrigiere auch nicht, .Die Situation ist einfach zu schön .
Eine Bar weiter treffen wir auf das andere Geburtstagskind Gerda, die mit Ihren Geschwistern dort eine kleine Siesta hält.Wir beglückwünschen uns mit inniger Umarmung. Verabreden uns in Ponte de Lima vor der Herberge und marschieren weiter
Wir laufen um ca. 14 Uhr in Ponte de Lima ein.Direkt in der Stadt am Rio Lima wird ein Fest gefeiert.Später erfahren wir, das Fest wird zu Ehren des Hl. Sebastians gegeben. Ein großer Markt an der Uferpromenade, viele Portugiesen jeglichen Alters in altertümlicher typischer Tracht.
Es ist eine Pracht so etwas zu sehen.
Über die alte Römerbrücke , die über den Rio Lima führt gehen wir und treffen genau am anderen Ende auf unsere Albergue .
Gegenüber in einem Straßenrestaurant sitzen schon ein paar von unseren Pilgerfreunden und freuen sich, uns Geburtstagskinder zu begrüßen.
Wir stellen unseren Rucksack in die lange Gepäckschlange vor der Herberge und ergattern uns so einen angenehmen Bettenplatz.
Nach der Anmeldung und einem Stempeleintrag in unseren Pilgerausweis, haben wir noch genügend Zeit ,die Stadt zu besichtigen.In einer kleinen Straße treffen wir Ina und Carsten, die wir ja schon von Lawra(Campingplatz) und Rates kennen.Die beiden Freunde schlafen heute Nacht in der Jugendherberge.
Gemeinsam gehen wir in das Straßenrestaurant gegenüber unserer Herberge. Dort essen wir eine Kleinigkeit zu Abend und so langsam trudeln alle unsere Freunde ein, um den versprochen Geburtstag zu feiern. Rosi, die Schwester von Geburtstagskind Gerda ,hat uns einen Hahn, das Wahrzeichen von Portugal , geschenkt. Er steht nun als Erinnerung in meiner Vitrine.Wir feiern mit vielen Pilgern aus allen Ländern zusammen
Albert aus Holland
Hanna aus Holland
Birgit und Nadja
Hans und Michael aus Leipzig
Serena aus Italien
Giorgio aus Spanien
Francesco ( mit Rad) aus Italien
Ina und Carsten
Gerda, Rosi, Sigrid, die Schwestern mit Freundin Martina
Unsere beiden Jungs (2 Sebastian)
Ricardo ( Adriano ) aus Portugal
Es wird ein unvergleichlicher Abend.
Um Punkt 22 Uhr steht der Hospitalero an der Tür und droht sofort abzuschließen. Gut, dass wir schon vorher unsere Zeche bezahlt haben.
Die Flasche Sekt, die wir von Kellner geschenkt bekommen haben , haben wir am anderen Tag Michael geschenkt, weil wir sie nicht im Rucksack tragen wollten..
In der Herberge selber haben Ingrid, Gerda und ich noch im Innenhof, der sehr liebevoll gestaltet ist, ein Sechserpack Bier getrunken. Ingrid hat den Rest in einen Brunnen geschüttet und hat ,ohne es zu wissen, die armen Fische betrunken gemacht.
In dieser Nacht haben wir sehr gut geschlafen.

Am anderen Morgen sind wir um 6 Uhr aufgestanden.
In der nett eingerichteten Küche ist schon viel Betrieb. Wir frühstücken mit Kaffee und 1 Apfel und 1 Orange und verabschieden uns von unseren Freunden, die alle früh hoch sind und den Aufstieg nach Rubiaesch wagen. Uns ist der Aufstieg in der Hitze zu steil . In der Stadt treffen wir auf Ina und Carsten und entscheiden uns für ein Taxi nach Valenca, den letzten Ort in Portugal.
Kaum sind wir mit unserem Gepäck aus dem Taxi ,fängt es fürchterlich an zu regnen. Wir stellen uns in einem kleinen Tunnel unter und ziehen unsere Regenponchos an.
4 kleine Zwerge in Grün wandern durch den Regen über die Festung in Valenca um von dort über die Brücke, die über den Minjo führt nach Spanien zu pilgern.Ab jetzt müssen wir 2 Stempel pro Tag vorweisen können.
Aber oh weh,auch in Spanien regnet es junge Hunde.
5 Km nach Tui im Regen und wir haben keine Lust mehr .
In einer kleinen Gasse treffen wir auf eine Frau, die Einkäufe gemacht hat. Sie spricht uns auf spanisch an. Wir verstehen nur Pilgrem und Albergue und antworten, „Si“
Sie zeigt uns an, mit ihr zu gehen und erzählt uns unterwegs, irgendwas, ich lächle sie an.
Es stellt sich heraus, dass sie eine Herbergsmutter ist von einer kleinen privaten Herberge.
Manchmal ist einem auch im schlimmsten Regen das Glück hold.
Marias Herberge ist entzückend.
Für 14 Euro pro Person bekommen wir ein 6er Zimmer mit Frühstück.
Alles ist liebevoll eingerichtet. Es gibt auch eine Waschmaschine und Trockner
Schnell haben wir unsere Schmutzwäsche zusammen gesucht und Ina und ich spielen Waschfrau.
Der Garten ist liebevoll mit großen Skulpturen gestaltet, es wachsen dort Orangen und Zitronenbäume und der Salat wird auch selbst angebaut.
Und um unser Glücksäckchen voll zu machen, scheint auch noch die Abendsonne, so dass wir gemütlich draußen sitzen können.
Marias Mann bringt uns mit seinem Auto zu einem netten kleinen Bistro, wo wir gut essen können und der Vino Tinto lecker schmeckt.
Guter Laune gehen wir wieder in unsere Herberge und schlafen sehr gut in den neuen Betten.

Am anderen Morgen bekommen wir zum Frühstück Toast mit Butter und Marmelade, Kaffee so viel wir wollen und Orangensaft.
Wir brechen zeitig auf und nach ein paar trockenen Km kommt uns Marias Mann entgegen und schwenkt einen ,nämlich meinen, Geldbeutel mit all meinen Papieren und ca. 300 Euro.
Ich hatte nicht bemerkt, dass ich ihn unter dem Kopfkissen vergessen hatte.Mit einer herzlichen Umarmung und einem großen „Gracias“ verabschieden wir uns von ihm.
Nun sind wir ja in Spanien und da müssen wir uns angewöhnen spanische Worte zu benutzen.
Nicht obrigado sondern gracias
Nicht Bom Dia, sondern Buenos Dias
Nicht bom Caminho, sondern Buen Camino
Der Café con leite, grande ist aber geblieben.
Kurz vor Orbernelle kommen wir an einen historischen Ort, wo im Jahre 1251 ein Pilger auf dem Rückweg von Santiago de Compostela seinem Fieber erlegen ist.Die Brücke ,die über ein kleines Rinnsal führt, heißt deswegen „Ponte de Febres“
Rainer, der Hospitalero aus Lawra, unserer ersten Nacht, hat uns eine neue Wegbeschreibung mitgegeben, wie wir den schrecklich langen Weg durch das Industriegebiet umgehen können.
Durch ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet führt uns nun ein schmaler Pfad, der teilweise durch den Regen vom Vortag so aufgeweicht ist, dass wir mit unseren Wanderstiefeln einsinken.
Wir lassen uns nicht ermutigen und singen fröhlich Wanderlieder aus unserer Kindheit.
Ina und ich haben großen Spaß daran, Carsten guckt nur und grinst.
Mittags , es regnet mal wieder, kehren wir in einer kleinen Bar ein, Die Casa Mia Maria liegt wunderschön in einem verwilderten Garten.Unter einem trockenen Dach essen ich meine erste Tortilla, die sehr gut schmeckt.
Nach einer langen Pause holen wir uns einen Stempel und wandern weiter nach O Porrino .Die Herberge macht von außen einen guten Eindruck und verliert total im Innenbereich.
Wir übernachten trotzdem dort.Wir schlafen mit 42 Leuten in einem Raum, Die Schnarch- und Pupsgeräusche in der Nacht lassen uns nicht schlafen.Es gibt nicht genügend Toiletten, Waschräume und die Steckdosen sind im ganzen Haus nur Attrappe. Eine große Küche mit einem recht netten Essraum gibt es im Erdgeschoss,. Aber leider weder Teller noch Tassen oder Töpfe, geschweige denn Besteck.
Gut dass ich meinen Tauchsieder habe, den ich in die einzigen Steckdose im Bad benutze um uns wenigsten einen Morgenkaffee zu machen.

Heute wollen über Mos nach Redondela laufen.
Um 7 Uhr ist Aufbruch.Es regnet wieder und wir grünen Zwerge marschieren im Entenmarsch durch die Stadt.
Durch Wald und Feld geht es manchmal sehr steil bergauf und bergab.
Ich finde die kleine Kirche und die Stelle wieder wo Cornelia und ich im letzten Jahr unsere Steine niedergelegt haben .Es ist ein freudiges Gefühl und ich schaue nach ob die Steine da noch liegen. Leider kann ich sie nicht ausfindig machen. Viele Pilger haben dort wieder Steine gelassen.
Nun geht es doch sehr steil den Berg hoch und wir kommen ordentlich ins Schwitzen. Dafür entschädigt uns aber eine wunderschöne Aussicht über die Landschaft.
Kurz hinter Barreiras trifft der Pilgerweg auf einen römischen Wanderweg, den wir ab jetzt immer wieder ein Stück gehen werden.Wieder regnet es und wir laufen in Redondela ein.
Da ich die Herberge kenne und wir in Oporrino schon diese Massenschlafstätten hatten, suchen wir ein Hotel.Wir bekommen das eine Suite . „ Zimmer mit Doppelbett, Bad,Waschmaschine und Kochgelegenheit.
Carsten und Ina haben ein kleines Schlafzimmer mit Bad.
Nach einer ordentlichen Dusche ziehen wir unsere „Ausgehbluse“ an und erkunden die Stadt.
Neben der Albergue die wir kurz besichtigen ist ein nettes Restaurant, dass ich noch vom letzten Jahr kannte.
Kaum betreten wir die Gastlichkeit, geht schon ein Geschrei los. Unsere Freunde sind auch dort .. An diesen Abend lernen wir Ping Ping kennen, eine Chinesin, die in Augsburg wohnt.
Ping Ping erzählt, dass sie ihren Rucksack nicht mehr tragen mochte und sich deshalb einen Einkaufstrolli gekauft hat. Darauf hat sie ihren Rucksack geschnallt. Ab da ist sie auf dem Camino bekannt als“die Frau mit Hackenporsche“. Es wird eine tolle Abendrunde
Spät gehen wir in unser Hotel und als Ina müde ins Bett geht, feiern wir noch mit Vino Tinto, wie jeden Abend unseren Tag.
Am nächsten Morgen können wir im dazu gehörigen Café frühstücken.
So gestärkt geht es weiter dem nächsten Etappenziel zu.

17 Km bis nach Pontevedra, die es in sich haben.Die Strecke ist vorwiegend bewaldet; aber es geht oft steil bergauf und bergab.
Es ist sehr anstrengend und als wir nach einer Steigung von 155 Höhenmetern so ziemlich am Ende unserer Kraft sind , werden wir durch eine atemlose Aussicht auf die Meeresbucht Ria de Vigo tief unten belohnt.Heute ist wieder einer der heißen Tage. Die Sonne brennt erbarmungslos.
Nun geht es erst mal wieder bergab und und wir erreichen nach ein paar Km das kleine verschlafene Dörfchen Pontesampalo. Hier müssen wir wieder einen Berg fast erklimmen, so stark ist die Steigung. Auf Der Weg ist mit großen felsigen Steinen gepflastert und man kann sich gut vorstellen, wie die römischen Soldaten hier mit ihren Wagen entlang gefahren sind.Endlich haben wir diese unwegsame Strecke hinter uns gelassen, da knickt Ingrid mit dem Fuß um.Sie hat starke Schmerzen und humpelt tapfer weiter.Nach ca. 15 Km sind wir am späten Nachmittag endlich in Pontevedra. Diese Stadt wurde von den Römern gegründet.Da wir alle sehr erschöpft sind, suchen wir uns das erste Hotel, dass unseren Weg kreuzt.
Wir haben Glück, es sind noch 2 Zimmer frei.
Pin Pin, die kurz nach uns um ein Zimmer bittet, muss weiter ziehen.
Wir duschen, ziehen uns um und treffen uns mit Ina und Carsten unten im Gästeraum um mit dem Taxi in die Stadt zu fahren.
Na toll ,pünktlich zur Sightseeingtour setzt der Regen ein. Zuerst versorgen wir in einer Apotheke Ingrids Bein mit Salben und einer festen Bandage, dann besichtigen wir das „Sanctuarium virxe Peregrina“.(Heiligtum der jungfräulichen Pilgerin.Eine Barockkirche, die einer Jakobsmuschel nachempfunden wurde.
Dort organisiere ich uns einen Stempel in der Sakristei, wo der Küster gerade seine Gewänder für die Messe zurecht legt.Wir warten mit vielen Pilgern unter dem Kirchendach den Regenschauer ab und suchen uns ein italienisches Restaurant, wo wir mal nicht ein Pilgermenü bekommen sondern tolle Pizza und herrliche Nudeln.Bummeln macht im Regen keinen Spaß uns so fällt die Besichtigung dieser Stadt flach. Mit dem Taxi fahren wir zurück in unser Hotel und genehmigen uns dort unseren mitgebrachten Rotwein.

Am nächsten Morgen geht es schon , wie auch in den anderen Tagen sehr früh los.Der Morgen ist das Schönste am ganzen Tag. Alles ist ruhig und friedlich und wir müssen uns unser Frühstück „verdienen“ Immer noch sind wir zu Viert und nachdem Ingrid sich mit Salbe und Verband am verstauchten Fuß versorgt hat , gehen wir ca. 5 Km bevor wir eine Bar finden wo wir Frühstück bekommen.
In einer kleinen Ecke der Bar hat die Inhaberin weiße Rollos an den Wänden runter gelassen, wo alle Pilger ,die hier Rast machen ,sich verewigen können. Auch wir schreiben unsere Namen auf einen noch freien Platz.Es ist ein netter Brauch und wir freuen uns, diverse Bilder und Gedichte zu sehen.
Als wir die Bar verlassen ist es trocken und wir können unseren Regencape am Rucksack fest machen.
Der Weg über Portella, und Briallos nach Caldas de Reis, unserem heutigen Etappenende ist wieder mal steil und uneben.
Aber es entschädigt uns eine wundervolle Landschaft ..
Als wir einen kleinen Feldweg entlang gehen, steht ein Auto von der Feuerwehr uns im Weg. Wir werden angesprochen, ob wir Hilfe brauchen oder ob wir einen Stempel in unserem Pilgerpass haben möchten.
Wir freuen uns und geben später mächtig damit an, als einzige von unseren ganzen Pilgerfreunden einen Feuerwehrstempel zu haben.
An einer kleinen Holzbrücke machen wir gegen Mittag Rast und essen unser mitgebrachtes Obst.
Da kommen auch unsere Pilgerfreunde Hans und Michael mit den Mädels aus dem Frankenland.
Ein große Juchhei und wir machen gemeinsam Rast.
Wir gehen weiter und nach ein paar Km sehen wir unseren Steinmonoliten mit der Pilgermuschel und einer magischen Kilometerzahl.
Es ist ein komisches Gefühl zu lesen, dass in 49,9 Km unsere Reise zu Ende ist.
Wir entscheiden an diesem Kilometerstein, dass wir, Ina , Carsten, Ingrid und ich gemeinsam in Santiago de Compostela einlaufen werden. Carsten und Ina haben nicht so viel Urlaub wie wir; aber unser Zusammensein hat uns allen Halt gegeben und so ist es nur natürlich, dass wir als Freunde das Ende unserer Reise erleben wollen.
Durch heideähnliche Landschaften und Felder erreichen wir um 16 Uhr Caldas de Reis.Wir sind wieder sehr erschöpft und Ingrids Fuß schmerzt sehr, so entscheiden wir uns auch hier für ein Hotel.
Im Hotel Lotus bekommen wir zwei nette Doppelzimmer für je 35 Euro. Gegenüber ist das Restaurant Lotus, wo wir sehr gut unser Pilgermenü essen können .
Auch hier können wir uns aussuchen ob Fisch oder Fleisch zum Hauptgericht.
Die Suppe a´la Galicia ist sehr lecker.
In Caldas de Reis gibt es Thermalquellen, die 42 Grad Celsius haben und wo wir unsere Füße baden können.Ingrid ruht sich heute aus und so gehen wir zu Dritt die kleine Stadt erkunden.Wir kaufen etwas Obst und natürlich unseren Vino Tinto, den wir am Abend im Salon des Hotels trinken.
Leicht beschwipst sagen wir uns „ Gute Nacht“ und schlafen traumlos.

Am nächsten Morgen stehen wir ohne Reue und Kater auf. Es ist erst 6 Uhr, aber wir haben eine 19 km lange Strecke vor uns, die zum Teil sehr stark ansteigend ist.
Wir wollen früh in Padron sein, da der Wetterbericht Sonne und Hitze gemeldet hat.
Der Weg ist reizvoll . Immer wieder haben wir kleine Waldstrecken und Weinlauben vor uns.Da es in den letzten Tagen stark geregnet hat ,sind die kleinen Bergquellen, die sonst nur Rinnsale sind, zu kleinen Bächen geworden die es gilt , sie zu überspringen. Jeder hält den Fotoapparat bereit um zu dokumentieren, wenn jemand ins Wasser fällt. Wir tun uns aber den Gefallen nicht.
Ein sehr langer Weg über eine viel befahrene Strasse führt uns durch mehrere Vororte nach Padron. Diese Strecke in der Mittagshitze ist sehr anstrengend . Endlich sind wir am Stadtrand von Padron und machen eine lange Pause in einem Strassencafe gegenüber einer riesigen Markthalle.Ingrid und ich gehen neugierig durch den lauten Marktplatz und sehen uns die frischen Fische und das viele Obst und Gemüse an, dass dort angeboten wird.
Nachdem wir uns erholt haben suchen wir eine kleine Pension auf, die ich schon vom vergangenen Jahr kenne.Die Pension El Jardim.
Dort bekommen wir wieder 2 hübsche Doppelzimmer mit Bad und Balkon, wo wir unsere Wäsche trocknen können.
Wir besichtigen die Kirche. Dort ist ein Bild , wie der Leichnam des hl. Jakobus mit dem Schiff in Padron ankommt, um von hier nach Santiago de Compostela überführt zu werden. Carsten geht für uns alle den Wallfahrtsweg zum Jakob vom Berg,114 Stufen ,um unsere Sünden vergeben zu bekommen.
Der Legende nach soll der Hl Jakobus dort eine Predigt gehalten haben.
Wir suchen uns ein Restaurant und auch hier weiß ich Rat. Im H2O bestelle ich 2 Portionen Pimientos de Padron.(kleine grüne gebratene Paprikaschoten mit grobem Salz)
Uns allen schmeckt es hervorragend.
Wir suchen uns noch eine nette Bar und trinken einen Brandy. Eine Frau spricht uns auf deutsch an und erzählt uns, sie habe in der Nähe von Bad Oeynhausen in einer Putenfarm gearbeitet.
Wir machen ein Foto von Ihr mit uns.
Der Wein ist gut.Dazu ein paar Tapas und wir sind gesättigt .

Unsere letzte Etappe.
Wir beraten, dass wir ein paar Kilometer mit dem Taxi fahren.
Es ist Sonntag und hier passiert nichts, kein Taxi kein Bus.
Wir warten fast 2 Stunden am Taxistand, bis Carsten in ein großes Hotel geht und vom Portier ein Taxi bestellen lässt.
Dieses bringt uns ein paar km weiter zu unserem Ziel.
Das Wetter ist durchwachsen, wie so oft auf unserem Weg, Eben typisches „Caminowetter“
Mal ziehen wir unseren Regenponcho an, mal sogar unsere Jacken aus.
Nun sind es noch 16 Km bis zu unserem Ziel.die Kathedrale von Santiago de Compostela.Die letzten Km sind sehr beschwerlich; aber das merken wir nicht mehr, weil wir wissen, wir sind fast da.
In diesem Jahr gibt es 2 Wege in die Stadt. Wir nehmen den etwas kürzeren, der aber auch nicht so schön ist. Straßen und Wege, die direkt an den Bahngleisen entlang laufen führen uns in einen kleinen Park und durch die Vorstadt in die Innenstadt von Santiago.
Wir fragen uns durch zur Altstadt . Die Gassen dort sind so eng, dass man nicht weit sehen kann.
So passiert es uns auch, wie im letzten Jahr, dass wir plötzlich vor der großen Kirche stehen.
Es ist ein erhabenes Gefühl und wir liegen uns in den Armen.
Wie schon die Tage vorher, regnet es auch jetzt wieder, so dass wir nicht lange auf dem Kathedralenplatz verbringen.
Leider hat das wunderschöne Gotteshaus im Moment ein Gerüst und ist teilweise verhangen. Man kann nicht zum Hauptportal.
Unsere Compostela, also , unsere Urkunde, die beweist, dass wir gepilgert sind, bekommen wir im Pilgerbüro.
Es dauert fast 2 Stunden, ;dann zeigen wir stolz unser schönes Blatt mit unserem Namen, auf Latein, in die Kamera.. Viele Pilger sind mit uns angekommen.
Nun geht es erst mal auf Unterkunftsuche und wir finden außerhalb der Altstadt ein nettes Hotel, wo wir uns für 2 Nächte einschreiben.
Carsten und ich erkundigen uns am Busbahnhof , wann sein Bus nach Porto und unser Bus nach Finisterre abfährt.Wir kaufen auch schon unsere Fahrkarten.
Es ist ein kleines Abenteuer am Rande; da man mit dem Bus zum Busbahnhof fahren und sich in spanisch durchfragen muss.
Auf der Suche nach einem netten Lokal finden wir am Abend eine kleine Taverne, die sehr gute Tapas hat.
Ein Sherry rundet das ganze ab.
Etwas Sightseeing in der Altstadt mit kleinen Einkäufen ist noch drin; dann gehen wir müde ins Hotel zurück.
Wie immer ist das Treffen am Abend mit Wein, Nüssen und Oliven bei uns im Zimmer vereinbart.

Am Nächsten Morgen bringen wir Carsten und Ina zum Bus. Der Abschied fällt uns schwer und geht auch nicht ohne Tränen an uns vorüber.
Ingrid und ich beschließen, noch etwas zu bummeln und dann die Pilgermesse um 12 Uhr zu besuchen Es ist erhebend wenn eine Nonne in wunderschöner Stimmlage singt und die Botafumeiro durch die Kirche schwingt. Mehrere Mönche ziehen an einem langen Strang, um den angezündeten Weihrauchkessel 64 Meter durch das Kirchenschiff gondeln zu lassen.
Früher, so sagt man, wurde es gemacht, um den fürchterlichen Körpergestank der Pilger zu ertragen.
Heute ist es eine Attraktion, die jeder Pilger wünscht, in der Messe sehen zu können.
Es wird verlesen, wie viel Pilger in den letzen 24 Stunden Santiago erreicht haben und aus welchen Ländern die Pilger kommen.
In der Kirche sehen wir auch unsere Freunde Hans und Michael. Gerda ,Sigrid, Rosi und Martina wieder.
Viele andere, die wir gesehen haben, mit denen wir in den Herbergen eine Nacht verbracht haben, aber dessen Namen wir nicht kennen, grüßen und man freut sich, dass alle angekommen sind.
Den Nachmittag verbringen wir mit Bummeln und Shoppen.
Wir besichtigen das Kloster das in der Nähe ist und wünschten uns wir hätten dort nach einer Herberge gefragt. Es sieht urgemütlich aus.
Früh gehen wir ins Bett und packen unseren Rucksack für die Busfahrt nach Finisterre.

Der liebe Herrgott hat kein Einsehen mit uns und so fahren wir im strömenden Regen mit dem Bus die 100 Km .
Wir sind angekommen und schon belagern uns die Einwohner um uns Zimmer zu vermieten. Nachdem wir in einem Lokal etwas gegessen haben , sitzen neben uns Busfahrer und Wanderführer mit Reisenden aus Vechta und Rastede.
Wir kommen schnell ins Gespräch.
Danach suchen wir uns eine kleine Pension über einer Kneipe. Wo wir ein Zimmer mit Bad haben.
Von dort machen wir einen Ausflug zum Leuchtturm ans Ende der Welt.-
Mit Wein, Ceranoschinken und Tomaten machen wir ein Picknick auf einem großen Felsblock. Wir können ins Meer blicken und sehen wirklich nichts mehr als Wasser.Um einen Sonnenuntergang zu erleben, ist es leider zu regnerisch und so gehen wir wieder ins Dorf.
Am nächsten Tag wollen wir an den dortigen Strand und Muscheln als Andenken  sammeln. Wir schreiben mit den gesammelten Muscheln unseren Namen in den Sand.
Es ist heute zwar kein Regen aber die Sonne will sich nicht zeigen.
So kehren wir früh heim, waschen unsere Muscheln und genehmigen und Wein in der Taverne unter unserm Zimmer. Wie praktisch.

Am nächsten Tag geht es mit dem Bus von Finisterre nach Santiago und mit einem anderen Bus weiter nach Porto.
Es regnet und so sind wir froh, im Bus zu sitzen und etwas zu schlafen.
Meine Schwester Susanne und mein Schwager Chris buchen von Köln aus für uns 2 Flugtickets von Porto nach Maastrich, wo Susanne uns abholen will.
Es ist ein Abenteuer am Flughafen bis ich endlich total genervt und am Ende mit meinen Nerven die Ticket ausgedruckt und sicher in der Tasche habe.
Manchmal steckt der Teufel drin. So auch heute. In Porto findet der Taxifahrer unser Hotel nicht und wir irren mit ihm im schlimmsten Verkehr durch die Straßen. Wir bitten ihn entnervt ,zu halten und gehen auf Suche nach einem andern Hotel. Gut, dass wir nicht reserviert hatten.
Ich zeige Ingrid noch etwas von Porto; aber mit ihrem dicken Fuß ist es natürlich nicht möglich, noch mehr zu laufen. So gehen wir früh ins Bett und ich bin froh, nicht mehr an diesen Tag denken zu müssen
Als wir am nächsten Tag endlich im Flieger sitzen , sind wir doch recht froh, in 3 Stunden von Susanne abgeholt zu werden. Eine Nacht bleiben wir in Köln und am nächsten Vormittag geht es mit dem Zug nach Bremen.
Es war mal wieder ein tolles Erlebnis und ich weiß, es wird noch oft mein Ziel sein, den Camino zu gehen.
Viele Wege führen nach Santiago und ich möchte sie alle gehen.