30.04.2016 Völlig erschöpft

Ich habe in der Nähe von Ouroux in einer Herberge geschlafen, ein Horror.
Das Haus steht mitten im Wald ,Der Besitzer hatte an dem Abend in Dijon zu tun,so war ich mutterseelenallein.(auf der ganzen großen Welt).Etwas Angst hatte ich schon, gebe ich zu. Die Zimmer ließen sich nicht abschließen und 35 unbenutzte Betten…..Um 4 Uhr am Morgen konnte ich dann endlich für 3 Stunden die Augen schließen.
Hinzu kam,dass in meinem Pilgerführer stand, dass man dort Abendbrot und Frühstück bekommt. Pustekuchen. So hatte ich Glück, dass ich am Mittag eine supergute Raststätte hatte,an der ich ein richtig großes Mittagsmahl zu mir genommen hatte.
Mit einer Tasse Wasser im Bauch machte ich mich um 8 Uhr am Morgen auf meinen Weg.“meinen Weg?“ Mit nichten. Ich habe mich im Wald so verlaufen, dass es mich nicht gewundert hätte,wenn plötzlich ein Hexenhäuschen vor mir gestanden hätte. 3 Stunden habe ich gebraucht um 2 Km weiter aus dem Wald zu kommen.Endlich auf dem Weg habe ich heute KEINE Abkürzung mehr genommen und bin über die gefürchteten Rhöner Alpen gepilgert.
Einige Berge sind 1040 Meter hoch, die es für mich zu erklimmen gab. Völlig erschöpft gabelte mich eine Frau mit Auto auf und nahm mich die letzten Km bis Propieres mit .Dort setzte sie mich in einem Hotel ab und ich war mal wieder dankbar,so nette Franzosen zu treffen.
Der heutige Tag ist auch nicht besser. Es regnet und es geht wieder durch undurchdringlichen Wald bergauf/bergab. Nach 8 Km ging im schlimmen Regen nichts mehr. Ich fuhr per Anhalter in den nächsten Ort und nahm mir ein Zimmer.Hier rüstet sich alles für den Tanz in den Mai. Im Hotel ist die Hölle los. Männer gucken Fußball Frauen tanzen nach lauter Musik im Nachbarzimmer und Kinder rennen draussen rum und ärgern sich. Das pralle Leben. Jeder spricht mich an und ich sage brav mein Sprüchlein. Das interessiert die Kinder nicht und sie kommen und reden mit mir. Nun sprechen sie deutsch. Ja,Nein ,danke.

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meine Schlafstätte im Wald Norman Bates läßt grüßen.;-))

27.04.2016 Der Winter ist wieder da

Es ist 7:30 in Cluny und wir haben knapp unter 0 Grad.Heute geh ich weiter. Mal sehen ,was mein Bein so sagt.
Nach dem Frühstück verabschiede ich mich  herzlich von der Dame am Empfang und mit guten Wünschen von ihr verlasse ich die mittelalterliche Stadt.
Es geht stetig bergauf und ich merke natürlich meinen Oberschenkel schon nach 5 Km .Die erste Rast ist nötig. Es geht weiter, ich habe mir vorgenommen heute ca 16 Km zu pilgern .Es geht durch viele kleine Orte, die nur 5 oder weniger Häuser haben. Ich bleibe auf einer kleinen Landstrasse, so habe ich nicht die hohen Steigungen in die Wälder .Doch manchmal bleibt mir kein alternativer Weg und ich stehe schon wieder….. na was meint ihr?

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Tja, schon wieder alles unter Wasser .Doch ist der Reiz nicht zu verleugnen Ich habe mir meinen Urlaub ausgesucht und ich möchte es auch nicht anders haben.
Allmählich wird es wärmer ,doch der Wind läßt nicht zu, dass ich meinen Schal abnehme .Immer wieder mach ich „Oberschenkelpausen“ aber ich habe ja Zeit. Um 15 Uhr bin ich am Ziel Tramayes. Im Office de Tourisme will ich mir ein Zimmer buchen lassen,da kommen 2 Deutsche Pilger herein, die einen Pilgerstempel erbitten. Sie haben eine Bleibe mit 2 Zimmer, wovon sie mir eines anbieten. Schnell ist alles mit den deutsch sprechenden Hausbesitzern geregelt.  Es sind 2 Brüder ,Christopher und Albert ,beide Küster im Dom in Münster. Albert ist ein erfahrener Pilger ,Christoph war am Ende seiner Kräfte .An diesem Abend bin ich nach einem kurzen Gespräch ins Bett gegangen und habe sehr gut geschlafen.
Am nächsten Morgen,wir saßen an einem gut gedeckten Frühstückstisch und  der Besitzer des kleinen Hotels fragte nach unserem Weg. Wir wollten nach Ouroux und ich sagte so nebenbei:“ich nehme die Abkürzung. “
Christopher hielt in seiner Bewegung inne,sein Kopf flog hoch seine Augen weiteten sich und er fragte erstaunt:“Abkürzung?“Albert wurde krebsrot und erstickte fast vor Lachen an seinem Brot,als er seinen Bruder ansah und ich hatte mindestens 3 Fragezeichen auf meiner Stirn stehen. Albert hatte Christoph nichts von der Abkürzung erzählt .Noch ein paar Fotos und nach einem guten Frühstück ging es weiter,immer der Muschel nach.

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26.04.2016 Cluny

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Les Portes dˋHonneur.
Historischer Eingang der Abtei. Durch dieses Tor gingen einst Saint-Louis, der Herrscher von Konstantinopel, Richelieu…….und nun auch ich.
Um sich von seinen Sünden los zu kaufen ,schenkte ein Graf von Aquitaine Ländereien Benediktinermönchen. Dieses Land erstreckte sich entlang wichtiger  Kommunikationswege der Römer,und somit ideal für den Bau einer Abtei Das Kloster wurde reich,mächtig und berühmt. das Kloster Cluny hatte Einfluß über die gesamte abendländische Christenheit und wurde noch reicher durch Gläubige,die diesen Pilgerort aufsuchten. Cluny war auch ein intellektuelles und kulturelles Zentrum. Ab dem 12.Jahrhundert kamen aber die finanziellen Schwierigkeiten,als eine 3. Abteikirche mit viel Pomp gebaut wurde .Auch die Krisen durch die Religionskriege im 16. Jahrhundert schwächten die Abtei sehr und während der Revolution wurden viele Gebäude zerstört und geplündert.
Auch wurden die zerstörten Gebäude als Steinbruch benutzt .Heute gehört Cluny zum europäischem Kulturerbe. Es ist Zentrum eines Kunst-und Geschichtsverband  . Das nationale Pferdegestüt wurde 1806 von
Napoleon I. am Fuße der Abtei für seine Armeen gegründet.Viele Pferderennen und Pferdewettbewerbe machen Cluny zur nationalen Hochburg. Auch gibt es hier ein Forschungszentrum .Im Zentrum, rund um die Abtei gibt es noch140 Häuser ,die zwischen dem XI. und XIV. Jahrhundert gebaut wurden .

23.04.2016 Taize‘-Pilgerwege des Vertrauens auf der Erde

Heute bin ich nur 14 Km gelaufen,weil ich unbedingt die Commumaute‘ de Taize‘ kennen lernen wollte. Dazu mußte ich meinen Jakobsweg verlassen.
Wer hierher kommt, ist eingeladen, die Gemeinschaft mit Gott zu suchen: Im gemeinsamen Gebet ,im Singen ,in der Stille ,im persönlichen Nachdenken und in Gesprächen. Jeder ist hier, um Kraft zu schöpfen oder einen Sinn für das eigene Leben(wieder) zu finden.
In diesem kleinen Dorf Taize‘ ließ sich 1940 ein Priester nieder um die Christen untereinander und mit anderen Religionen zu versöhnen. Brüder aus allen Ländern schlossen sich ihm an.
Es gibt einen Tagesablauf und zusätzlich Workshops.
Heute habe ich in der Krypta einer Messe beigewohnt,wo ein Italiener ein Brasilianer und ein Koreaner den Gottesdienst gemeinsam gehalten haben .Wir haben jeder in unserer Sprache gesungen und gebetet. Danach gab es die Schlacht zum Abendbrot. Man stellt sich draussen an und bekommt aus den Töpfen das Essen auf den Teller geklatscht, aber mit so viel Humor und „Nudelgesängen“ dass ich sogar getanzt habe. Überall Gesang und lustige Leute in allen Sprachen.
Um 20:30 gab es noch ein Abendgebet. Die Kirche war so voll,dass alle Nebenräume geöffnet wurden. Wieder wurde in allen Sprachen gebetet, eine Apostelgeschichte gesprochen und die Besucher haben in Latein den Refrain eines jeden Liedes gesungen. Zum Schluß hat jeder seine Kerze,die er vorher bekommen hat beim Nachbarn angemacht. Wunderschöner Anblick und  ein Gefühl einer großen Gemeinschaft.
Ein paar Pilger sind hier auch gelandet,doch diese jungen Pilger wollen Morgen über 30 Km laufen…..
Ich werde nur bis Cluny gehen und dort mal wieder einen Arzt aufsuchen.
In Freude und Erfüllung  Lucia

20.04.2016 Viele Wege führen nach Rom

Doch mein Weg nach Santiago de Compostela führte mich heute nach Mercurey. Als ich dort erschöpft ankam und mir eine Dame in einer Bibliothek erklärte,dass es kein Hotel mehr in der Gegend gibt, ist mir eine große Barmherzigkeit widerfahren. Ann-Marie bekam das Gespräch mit und erklärte mir, dass ich mit zu ihr kommen sollte.
Ich freute mich sehr über so viel Nächstenliebe. In ihrem wunderschönen großen alten Haus lernte ich Marion, ihre 18 jährige Tochter kennen. Diese bot mir gleich auf englisch an, mir die Kirche zu zeigen, wo ich einen Pilgerstempel holen konnte. Später, am Abend lernte ich auch  Marc , Ann -Maries Mann kennen und in der Küche wurde zu Abend gegessen. Es wurde ein wundervoller Abend mit Wein und Tee und 3 verschiedenen Sprachen. Marion lernt in der Schule im Deutschunterricht die typisch deutschen Vokabeln wie: Papagei,Bananenaufkleber u.s.w..
Es wurde viel gelacht und Marc weiß nun, dass es mehr als Gummistiefel gibt  .Und ich? Ich kenne französiche Gastfreundschaft.
Nach einer kuscheligen Nacht habe ich mit Ann-Marie gefrühstückt und wir haben uns über unsere Eltern und Geschwister unterhalten. Mit herzlicher Umarmung und dem Versprechen, mich zu melden, wenn ich am Ziel angekommen bin machte ich mich auf den Weg.
Liebe Marion, Ich hoffe, du hast deine Zahnoperation  gut überstanden und nun Zeit , diese Zeilen ins Französische  zu übersetzen .Lieber Marc, vielen Dank für  die vielen lustigen Versprecher beiderseits und liebste Ann- Marie.
So viel Liebe werde ich nie vergessen.

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20.04.2016 Die Weinkenner

wissen wo ich bin

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Die    Bourgogne ist leicht hügelig und man sieht, wenn man hier wandert,tagelang nur Weinberge. Es gibt hier eine Radstrecke, die sehr gut befahren ist. Um ein paar Km einsparen zu können habe ich schon eine kurze Strecke ausprobiert;aber meistens läuft sie an Bundesstraßen und da ist das Wandern nicht des Müllers Lust. Überall wird auf großen Weingütern( so muß man sie schon nennen) Wein verkauft und es gibt sogar eine Weinroute, die mit Autos aus allen Herren Ländern gut befahren ist.
In Meusault habe ich im Nebengebäude in so einem Chateau geschlafen. 2 weitere Pilger waren dort und so hatten wir einen netten „Weinabend“.
Doch beide sind schneller als ich und so verabschieden wir uns und ich gehe meiner Wege.
Eure Peregrine

18.04.2016 Abschied nehmen in Dijon

4 Tage bin ich nun mit Christopher(20j) aus Dortmund unterwegs gewesen. Wir haben in Langres im selben Zimmer bei den Priestern geschlafen, in Auberive haben wir mit den Hotelbesitzern gemeinsam gegessen. Bei Wind und Regen sind wir im Reiterhof angekommen und haben uns im Gemeinschaftsraum unterhalten. Am anderen Tag, nach seinen Berechnungen, per Handy einen Gewaltmarsch an den Landstraßen  unternommen und am Ziel eine nette kleine Herberge erreicht.
Dort haben wir am Kamin gesessen und mit den Inhabern auf deutsch und englisch ein paar schöne Stunden verbracht, bevor wir mit einen supertollen Essen verwöhnt wurden.  Gestern hätte ich ohne Christopher das lange Etappenziel(Dijon) nicht erreicht. Er hat mich mit Erzählungen so abgelenkt,dass wir schwupp, die letzten  7 Km erreicht haben.
Heute fährt er mit dem Zug 100 Km weil er nicht so viel Zeit hat, für den Weg,wie ich.

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Heute war ich zum Arzt. Ein Nerv im Oberschenkel bereitet mir die Schmerzen .Ich habe Tabletten bekommen und soll mich etwas ausruhen. Das mach ich heute  und morgen gehe ich ein paar km weniger.Ich grüße alle und bedanke mich vor Allem bei denen,die so fleißig und liebevoll Kommentare abgeben. Eure fußlahme Pilgerin

 

14.04.2016 Bekanntschaften

Wie schon berichtet, ist es mir ein Leichtes, ein Zimmer zu bestellen.So auch gestern von Langres aus.Ich sagte meinen Spruch auf und die Dame am Telefon antwortete auch brav:“we“ nur kam hinterher ein Schwall französischer Wörter .Wie es nun mal eben ist auf dem Jakobsweg, riß mir ein Windstoß meine wundervolle Übersetzung aus der Hand. Ich schimpfte unflätig, beendete das Gespräch schnell mit einem merci und fing meinen Zettel ein.
Heute morgen um 11 Uhr kam mein Sammeltaxi, das mich ein Stück des Weges bringen sollte. Auf halber Strecke hielt es und ein älteres Ehepaar mit vielen Einkaufstüten stieg ein.
Die Frau fing gleich ein Gespräch mit mir an;also sagte ich mein Sprüchlein ,dass ich kein Französisch spreche.
Sie sagte „Deutschland? mein Mann war in Berlin.“ So kamen wir mit ein paar Worten ins Gespräch und ich zeigte ihr, wo ich übernachten will.
Ihr ahnt es schon?…… Sie lachte herzhaft, zeigte auf die Adresse und sagte“ Ich,Adolf, mein Mann und Christiane „. Na das war ein gegacker, als sie ihrem Mann und der Taxifahrerin erzählte, wie ich gestern mit ihr telefoniert habe. Es war eine fröhliche Runde im Auto und sie nahmen mich gleich ganz mit zu ihrem wunderschön gelegenen Hof.Dort wurde ich mit Salat Schinken, Wein und Brot verwöhnt.Nach einem langen Spaziergang setzte ich mich in den Garten. Adolf hat vor Jahren bei einem Schlaganfall seine Sprache verloren . Er zeigte mir seinen Bienenstock, seinen kleinen Teich mit Fischen . Wir hatten einen heiteren Nachmittag.

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Christiane und Adolf in Auberive

13.04.2016 Langres ist eine Stadt mit Sehenswürdigkeiten

Heute bin ich in Langres oder „Loongr“ wie wir Franzosen sagen .Nicht immer habe ich das Glück,am Internet angeschlossen zu sein,deshalb erzähle ich euch von den letzten Tagen. Die letzten 3 Etappen waren jeweils länger als 35 km und deshalb habe ich ein paar Km am Tag mit Taxi oder Zug hinter mich gebracht.Sylvian, ein netter Mann im Office de Tourisme hat mir sehr geholfen eine Zugverbindung nach Langres zu bekommen und auch in der ersten Pilgerherberge auf dem Weg trotz später Ankunft ein Bett für mich erbeten. Dort konnte ich mir in der Küche eine Suppe kochen, duschen und müde ins Bett fallen. Die Herberge LÀbri du Pelerin Presbytere ist direkt neben der Cathedrale. Heute habe ich darum gebeten noch eine Nacht dort verbringen zu dürfen. In einer Pilgerherberge darf man nur immer eine Nacht schlafen. Aber ich hatte, (wie immer) Glück. Nach einer großen Runde um die gut erhaltene Stadtmauer habe auch im Touristinfo nachgefragt und …… Die Frau sprach super gut deutsch. Sie hat mir für die ersten 15 Km ein Taxi für 3 Euro besorgt. Dann gehe ich noch 17 Km und schlafe in einem kleinen Hotel das von Deutschen geführt wird. Mein linker Oberschenkel fühlt sich gezerrt an. Es tut sau weh und da bin ich nicht traurig, wenn ich Zeit habe und nicht im Matsch im Wald pilgern muß.
Morgen bin ich dann in Auberive und Sonntag evtl. in Dijon.

Eure Pilgerine                              Gerade habe ich Zuwachs in meinem Pilgerzimmer bekommen. Ein junger Pilger aus Dortmund,der auch bis nach Santiago will. Allerdings hat er nur bis Ende Juni Zeit. Er hat junge Beine und geht auch mal seine 40 km und holt sich dabei Blasen an den Füßen. Mal sehen,wer lauter schnarcht.

11.04.2016 Folge mir,sagte die Muschel…

ich bin dein Weg…

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und als braver Pilger……..
Aber wie das Murmeltier,grüßte mich Matsch ,Regen und Unwegsamkeiten.
Heute habe ich meinen Weg (38Km) per Taxi abgekürzt. 25 Km reichen für meine kleinen Füße.Gegen Nachmittag kam die Sonne raus ;aber der heftige Wind blies mir um die Ohren. In einem kleinen Ort sprach mich eine Bäuerin an.Ich verstand, dass ich warten sollte. Sie lief ins Haus und kam mit 3 hart gekochten Eiern und 5 gekochten Pellkartpffeln wieder. Mir kamen die Tränen. Ich bedankte mich und sie nahm mich in den Arm. In einer kleinen Kirche waren mehrere Frauen, die sauber machten,. Eine Frau. die einer heiligen Statur gerade den Kopf wusch,schenkte mir Schokolade. Am heutigen Ziel angekommen, wurde ich Zeuge, wie der Sohn von seinem Vater per Notar das Hotel überschrieben bekam.